page id 11353 Manuskript: b2-putzaufbau.md | Cluster: B2 Putzaufbau
Untergrund und Vorarbeit
Die Binsenweisheit zuerst: Der UntergrundUntergrund: Materialunabhängige, oberste Schicht der Unterkonstruktion, auf welche die jeweilige Folgeschicht direkt aufgebracht wird. → für jeglichen Putz muss tragfähig, stabil und frei von Salzen sein.
Idealerweise ist er aus natürlichen Materialien, und hydrophil soll er sein und wasserbeständig.
Der Schichtaufbau wird dem Untergrund angepasst, Bruchstein und Mauerwerk wollen Ansprutz, Trockenbauwände einen Haftbrücke-Anstrich. Kritische Situationen, wie alter, tapezierter Gips, Kunststoff, Metall und andere unkonventionelle Materialien werden mit modernen Techniken hergerichtet.
Der Unterputz wird appliziert. Achten Sie nicht auf den nächsten Absatz, der Unterputz wird ganz normal, grosszügig und möglichst eben aufgetragen.
Unebenheiten im Unterputz zeichnen sich ab: Schattierungen, Kanten, poröse Stellen addieren sich bei mehrlagigen Oberflächen. Der Unterputz wird ein Teil des Ganzen und wird genauso sorgfältig verarbeitet wie die Deckschicht.
Der mineralische Unterbau
Ein Sumpfkalkputz braucht zwingend einen ungestrichenen, mineralischen Untergrund. Das lässt sich unterschiedlich realisieren. Abkürzungen sind möglich, aber sie bleiben Abkürzungen. Mit einem traditionellen, konsequenten Aufbau ausschliesslich mit Kalkputzen, in genügender Schichtdicke wird das Arbeiten elastischer, weicher, die Oberflächen werden sanfter, weicher, tiefer. Und das Wissen um den vielen KalkKalk: Kalk – Calciumcarbonat, CACO3 – ist Rohstoff und Endprodukt zugleich. Kalk (Calciumcarbonat) wird in seiner Rohform – als Stein –… → schafft Vertrauen in das fertige Werk.
Der traditionelle Aufbau eines Sumpfkalkputzes ist heute noch derselbe wie im Altertum: Massive Wände, die aus Bruchstein, Ziegel oder Lehm sein können, die passende Grundierung, ein Grundputz 10 – 25 mm oder stärker, ein zwei- oder dreilagig aufgebrachter Deckputz. Je nach Standort und Anforderungen mit Leinöl, mit Pigmenten, mit Puzzolanen oder Hydraulen vergütet, al fresco bemalt, mit Seife hydrophobiert.
Der hohe Aufwand, Wartezeiten, Reifezeiten, Carbonatisierungszeiten machen die klassische Luftkalk-Bautradition im konventionellen Hochbau unserer Tage unmöglich. Die Bauindustrie hat sich auf rationellere Methoden und Materialien eingestellt, und heutzutage werden hochwertige Sumpfkalk-Arbeiten eher zu Dekorationszwecken eingesetzt. Mit dem Einstellen der Materialien auf schnelle Verarbeitung und hybride Untergründe sind die Materialien selber hybrid geworden, die einmaligen Eigenschaften eines Kalkputzes werden damit reduziert.
Schichten und Schichtdicken
Die ideale Schichtdicke hängt von Standort, Belastungsprofil, UnterkonstruktionUnterkonstruktion: Konstruktion einschliesslich allfälliger Zusatzschichten als Unterlage für die nächstfolgende Schicht. → ab. Starke Wasser- und Feuchte-Belastungen? Dicke Schicht, mit viel Masse. Starke mechanische Beanspruchung: Dünne, härtere, verdichtete Schichten. Schon eine relativ dünne Schicht Sumpfkalkputz reguliert das Raumklima, aber hier gilt eindeutig «more is more».
Der Schicht-Aufbau geht von dick nach dünn: Nach dem Ausgleichen und Löcherstopfen kommt die Masse mit dem Unterputz auf die Wand. Die folgenden, nach dem Abtrocknen aufgetragenen Schichten werden die Signatur tragen, al fresco ineinander verarbeitet, karbonatisieren sie zusammen. Die letzte Lage, das ist die zweite oder dritte, trägt kaum mehr auf, sie füllt eigentlich nur noch die letzten Poren.